Samstag, 3. Mai 2008

Mi-Temps

Jetzt ist Anfang Mai, und es ist mal Zeit für eine kleine Reflexion: Was ist in den letzten sechs Monaten alles passiert; was soll in den nächsten sechs Monaten noch alles geschehen?

Als ich hier angekommen bin im November, hatte ich ja so ziemlich keine Ahnung von der französischen Sprache und von der französischen Lebensart. Das war schon ein kleiner Schock für mich; natürlich in erster Linie die Verständigung - in Deutschland sind Englischkenntnisse unter den jüngeren Leuten (bis etwa 50) viel geläufiger. Auf Behörden oder generell im öffentlichen Leben (Banken, Geschäfte, Friseur,...) sprechen die allermeisten Franzosen ausschließlich Französisch mit einem, und geben sich teilweise nicht mal große Mühe, langsam und deutlich zu sprechen. Mit einem Ausländer in einfachen Infinitiv-Konstruktionen ("Du gehen zu Bank und heben Geld ab") zu sprechen, ist wohl ausschließlich eine Deutsche Eigenart.

Das zweite Problem war, daß ich anfangs hier außer meinem Chef noch niemanden kannte. Klar, kann man mal ein, zwei Wochenenden einfach mal in der Landschaft rumgurken, und die Gegend erkunden; aber irgendwann möchte man doch auch wieder mal mit Leuten zu tun haben. Da ist Initiative gefordert, die ich auch ergriffen habe, indem ich mir Tandem-Partner gesucht habe, Kontakt zu den Studenten aufgenommen habe, ins Nachtleben eingetaucht bin usw. Immer mehr erweiteret sich mein soziales Netzwerk, und ab Januar brauchte ich mir um einsame Wochenenden nur noch selten Sorgen zu machen. Dazu kommt, daß ich einige wunderbare Menschen kennen gelernt habe :-)

Das Leben hier ist aber nach wie vor anspruchsvoll: Meine Arbeit in der Forschung ist mitunter sehr fordernd, da ich auch in die Tiefen einer Programmiersprache eintauchen muß. Dazu kommt, daß meine Sprachkenntnisse noch lange nicht perfekt sind; einfache Unterhaltungen kann ich mittlerweile recht gut führen, und wenn sich meine Gesprächspartner Mühe geben, kann ich mich auch an gesellschaftlichen oder fachlichen Diskussionen beteiligen. Es gab/gibt immer wieder stressige Zeiten; aber, ich denke, man muß die Herausforderungen als Chancen sehen. Man wächst an seinen Aufgaben. Und es gibt ja so viel zu entdecken!

Und jetzt ja das Sommerhalbjahr begonnen. Die entschieden schönere Jahreszeit in Poitiers! Die alte Stadt hat bei Sonnenschein und 25 Grad dann fast schon ein mediterranes Ambiente. Man kann sich auch mal raus auf die sonnige Wiese vor meiner Résidence legen, oder an das schattige Clain-Ufer setzen. Es ist wunderbar!

So langsam geht es auch daran, meinen Sommerurlaub zu planen... Das Institut schließt Ende Juli / Anfang August, und ich habe drei Wochen Zeit, Träume zu verwirklichen ;-)

Donnerstag, 1. Mai 2008

Pomme C

Neulich habe ich folgendes Lied im Autoradio gehört; mußte gleich danach googeln. Ich finde, es steckt sehr viel Wahrheit in den Textzeilen. Doch lest, hört, und seht selbst...



Im folgenden die Lyrics, die ich mittels "copier-coller" hierin verewigt habe:

J'ai son image
J'ai son email
Son coeur au bout du clavier

J'ai son visage
Et l'envie d'elle
Sans jamais l'avoir touchée

Dois je sauver
Ou bien abandonner

Pomme C
Un homme et une femme
Et c'est tout un programme
Un ciel artificiel
Pomme qui m'allume
Et qui me quitte
On s'aime trop vite
Le vice et le virtuel

Elle m'écrit
Mais mon écran
Formate les sentiments

Mais j'imagine
Qu'une machine
Ne peut que faire semblant

M' ADSL
N'est pas vraiment réelle

Pomme C
Un homme et une femme
Et c'est tout un programme
Un ciel artificiel
Pomme qui m'allume
Et qui me quitte
On s'aime trop vite
C'est le vice et le virtuel

Un peu d'amour copier coller
Un peu d'amour pomme C
Un peu d'amour télécharger
Un peu d'amour à sauver
A sauver
Mais l'amour n'est pas virtuel

Pomme C
Un homme et une femme
Et c'est tout un programme
Mais l'amour n'est pas virtuel
Pomme qui m'allume
Et qui me quitte
On s'aime trop vite
C'est le vice et le virtuel

Dois je sauver
ou bien dois je abandonner

Sonntag, 13. April 2008

Poitiers-Sports

Es wird allerhöchste Zeit für einen neuen Blogeintrag! Passiert ist ja in den letzten Wochen genügend, wenn ich auch außer einer Bewerbungstour nach München nicht weit gereist bin.

Das heutige Thema soll sein: Was hat Poitiers für uns Passiv-Sportler denn alles zu bieten? Die Franzosen sind ja allegmein ähnlich Fußball(=le foot)-begeistert, wie wir Deutschen; ich denke, daß der Titel des Weltmeisters 1998 und des Europameisters 2000 damals dem Enthusiasmus für diesen Sport sehr zu gute gekommen ist. Poitiers aber hat keinen Verein in den 3 französischen Profiligen. Beliebter ist hier schon der etwas seltsam anmutende Sport "Rugby", der insbesondere im Südwesten Frankreichs große Popularität genießt. Basketball (le basket) ist vergleichsweise gleich populär, wie in Deutschland.

Sehr gut steht Poitiers in Volleyball da (le volley). Ich hatte schon drei mal das Vergnügen, live den Spielen des Erste-Liga-Vereins Stade Poitevin beizuwohnen. Diese finden in der salle Lawson body statt, einer knapp 3000 Leute fassenden Halle. Die Stimmung ist stets sehr gut, steht der Verein doch gegenwärtig auf dem 4. Platz des Classements (zu finden hier) Ab nächste Woche beginnen die Halbfinal-Play-Offs, und Poitiers wird da mitmischen. Ich bin mal gespannt, ob es die Mannschaft zu einem der beiden in Frankreich verfügbaren Championsleague-Plätzen schaffen wird, vielleicht ist dann schon nächste Saison Friedrichshafen hier zu Gast?


Freitag, 29. Februar 2008

Sarcozide

Diese Parole habe ich mal an einem hiesigen Unigebäude an die Wand gesprayt gesehen. Gemeint ist damit wohl, daß Sarkozys Politik den (meisten) Unis eher schadet als nützt. Überhaupt habe ich noch niemanden hier getroffen, der den "chef d'état" jetzt klasse findet.

Unlängst gab es einen kleinen Skandal, als der französische Präsident auf einer Landwirtschaftsmesse einem ihm den Gruß verweigernden ("touche moi pas") Bauern entgegnete: "casse toi pauvre con", was soviel heißt, wie "verpiss dich armer Idiot". Hier das Video dazu:



Unvergeßlich aber war der Auftritt Sarkos auf dem G8-Gipfel, wo er einen leicht - sagen wir mal - verwirrten Eindruck gemacht hat. Aber seht selbst:

Mittwoch, 6. Februar 2008

Dans la Rue...

Grundsätzlich hat mir hier das Autofahren noch keine Schwierigkeiten bereitet - bis jetzt lief alles recht entspannt. Poitiers ist schließlich auch nicht Paris, und mehr als zwei Spuren haben die Kreisverkehre hier nicht. Die übelste Ecke ist die Porte de Paris; vor allem bei Feierabendverkehr kann es dort zu durch Verkehrsschilder oder Ampeln nicht definierten Zuständen kommen.

* Kreisverkehr: Beim Reinfahren blinken die Franzosen grundsätzlich nicht, beim Rausfahren nur manchmal. Mittlerweile nehme ich sie gewöhnlich im dritten Gang. Dafür traue ich mich immer noch nicht, in der linken Spur reinzufahren. Der Spurwechsel innerhalb des Kreisverkehrs kann nämlich delikat werden, vor allem wenn der rechts hinter einem fahrende Franzose einen partout nicht abbiegen lassen möchte.

* Baustellen: Scheinen häufiger vorzukommen. Auf dem Weg zur Arbeit passiere ich eine Dauerbaustelle sowie durchschnittlich jeden zweiten Tag eine nervige Kleinbaustelle, die sich aber immer an einem anderen Ort befindet.

* Zebrastreifen: Gibt es in den Städten sehr oft, werden dafür (bzw. deswegen) von den Autofahrern aber kaum beachtet. Fur Fußgänger haben Zebrastrafen faktisch keinen Nutzen.

* Ampel: Die meisten Franzosen halten sich dran, obwohl ich erst heute wieder ein Motorrad gesehen habe, das eine rote Ampel überfahren hat. Die Ampeln schalten direkt von Rot auf Grün (ohne die in Deutschland übliche Rot-Gelb-Phase).

* Rücklichter: Daß ein Rücklicht ausfällt, scheint bei den Autos der Franzosen häufiger vorzukommen...

* Warnblinkanlage: Wird von den Franzosen recht gerne benutzt, bspw. wenn schnell ein Baguette besorgt werden muß.

* Staren-Kästen: Sie sind deutlich erkennbar und werden zudem durch entsprechende Schilder angekündigt. Außerdem erkennt man sie auch daran, daß kurz vorher sich alle Franzosen an das Tempolimit halten. Trotzdem bin ich schon einmal geblitzt worden, als ich das System noch nicht draußen hatte. Einen Strafzettel habe ich bisher aber glücklicherweise noch nicht bekommen...

Sonntag, 3. Februar 2008

Paris, la deuxième fois

Letzten Donnerstag und Freitag war ich wieder in Paris. Diesmal aber nicht "zum Vergnügen", sondern wegen eines Arbeitstreffens. Am Donnerstag mußte ich vor versammelter Mannschaft einen Vortrag mit dem Thema meiner Doktorarbeit halten und am Freitag gab es von mir eine Präsentation meiner neu-erstellten Software als Zugabe. Letzteres aber zum Glück nur im kleinen Kreis. Es war ein Workshop, der seinen Namen auch verdient hat - im Gegensatz zu dem, was ich in Deutschland so gewohnt war, wurde hier nämlich nicht nur präsentiert sondern auch kräftig diskutiert, kritisiert, angeregt... Meine Französischkenntnisse machen inzwischen auch Fortschritte: Am Donnerstag abend waren wir, also mein Chef, ein Kooperationspartner und ich, unweit dieses zauberhaften Palmenambientes essen, und ich habe mir eingebildet, nach dem zweiten Glas fast alles zu verstehen!


Freitag nachmittag blieb mir dann noch etwas Zeit, Paris zu erkunden. Für einen Besuch der großen Museen, den ich mir eigentlich vorgenommen hatte, reichte es nicht mehr; also wollte ich wenigstens die Katakomben angucken. Aber Pustekuchen: "fermée". Etwas enttäuscht zog ich mich dann in ein Café zurück, um mir gemütlich und im warmen die Jungs von médecins du monde anzugucken, wie sie in der Fußgängerzone den Passanten Spendengelder abluchsen. Sehr interessant!

Um wenigstens etwas gesehen zu haben, bin ich mit dem Aufzug in den 46. Stock des Tour Montparnasse gefahren in der Absicht die vielgepriesene Aussicht zu bewundernt. Allerdings war dies mir keine unverschämten 9.50 Euro wert. Der Laden gehört wohl zu einem Großteil der Societé Generale, und die müssen ja die 5 Mrd. wieder reinbekommen, die dieser Jungbroker verzockt hat...

Samstag, 19. Januar 2008

Futuroscope

Endlich habe ich wieder mal Muße um einen neuen Blog-Eintrag zu schreiben. Vorletztes Wochenende gab es eine Aktion, die jedem, der seinen Arbeitsplatz auf der Site Futuroscope hat (also auch mir), ermöglichte, umsonst den gleichnamigen Themenpark zu besuchen. Das ließ ich mir natürlich nicht zweimal sagen: Die über 30 Euro, die normalerweise an Eintritt verlangt werden, finde ich zwar für das Gebotene ziemlich happig, aber ein gutes altes Deutsches Sprichwort sagt: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.
Das Futuroscope ist nach dem Euro-Disneyland (14.5 Mio) und dem Parc Astérix (1.7 Mio) mit 1.4 Millionen Besucher der drittgrößte Freizeitpark Frankreichs. (Zum Vergleich: Der Europapark in Rust lockt 4 Mio. Besucher an, der Holiday-Park in Haßloch 1.1 Mio.). Zentrales Thema ist die Zukunft. Das zeigt sich am eindrucksvollsten in der futuristischen Architektur. Anders als bspw. der Europapark liegt der Schwerpunkt der Attraktionen nicht in den Fahrgeschäften, sondern in der Vorführung von Kurzfilmen auf riesigen Leinwänden (ähnlich den IMAX-Kinos in Speyer oder Sinsheim). Einige dieser Filme bieten ein Pseudo-3D-Erlebnis (indem man sie mit einer Polarisationsbrille anschaut), oder man sitzt nicht in einem normalen Sessel sondern in einem sog. Simulator, der einen - passend zum Film - durchschüttelt. Von letzterem ist mir übrigens hundsübel geworden. Da es sich also hauptsächlich um Indoor-Attraktionen handelt, ist das Futuroscope bis auf eine einmonatige Pause, in der die neuen Events aufgebaut werden, ganzjährig geöffnet.

Am besten hat mir übrigens die Schlußvorstellung gefallen, bei der es sich um animierte Wasserspiele handelte. Filme wurden auf Wasserwände projeziert, dazu gab es eine nicht zu verachtende Lasershow.

Insgesamt war es doch mal ganz nett, zu sehen, wofür Poitiers in Frankreich auch bekannt ist. Immerhin hat das Futuroscope einen eigenen TGV-Bahnhof und ich vermute, der Flughafen hier (mit den einzigen Direktflugmöglichkeiten nach Lyon und London) wurde eigens dafür errichtet. Um das Futuroscope rum ließen sich einige Firmen nieder, und auch ein Teil der Universität befindet sich dort: Mathematisch-naturwissenschaftliche Institute, eine Pilotenschule und die ENSMA (École nationale supérieure de mécanique et d'aérotechnique).

Freitag, 4. Januar 2008

Bonne Année 2008!

Wünsche über das Blog allen, denen ich es bisher noch nicht getan habe, ein glückliches und erfolgreiches Jahr 2008. Den Jahreswechsel habe ich in der schönen Heidelberger Altstadt verbracht; seit Dienstag abend bin ich wieder in der Grande Nation. Viel hat sich seither nicht ereignet: Ich teste fleißig meine Algorithmen und am Abend gibt es Baguette und Käse.
Tja... und mein Vorsatz für das neue Jahr ist: nicht alles auf den letzten Drücker zu machen; besonders bei wichtigen Terminen (bspw. Abfahrt eines Zuges ;-)) eine Reserve einbauen... und natürlich fleißig bloggen!

Paris

Da mein Nachhauseweg (ich war mit dem TGV unterwegs) über Paris führte, wollte ich mir eine Besichtigung dieser Stadt nicht entgehen lassen. Ursprünglich war dafür nur Samstag nachmittag/abend eingeplant, doch mehr dazu später...
Den Bahnhof Montparnasse kannte ich ja schon, so daß ich mich gleich zum Hotel aufgemacht habe. Habe dieses mit dem schnuckeligen Namen "Au Palais de Chaillot" über booking.com gebucht, und war damit sehr zufrieden. Ein bequemes Bett, ein sauberes Bad, eine Frühstücksgelegenheit --- das ist eigentlich alles, was ich brauche. Als erstes stand der Eiffelturm auf dem Programm, der unweit des Hotels gelegen war. Um ihn in seiner vollen Pracht zu sehen mußte ich (so wie viele andere Touristen) eine Phalanx von Schwarzafrikanern durchdringen, die versucht haben, einem Miniatur-Eiffeltürme mit LED-Beleuchtung anzudrehen. So, wie es meine Art ist, war ich erst mal freundlich, und habe höflich zu erkennen gegeben, daß ich nichts dergleichen wollte. Die Jungs ließen aber mindestens fünf Minuten lang nicht locker, was den Blick auf das Wahrzeichen zunächst etwas getrübt hat.

Danach tigerte ich zum Arc de Triomphe, ebenfalls ein gewaltiges Bauwerk. Unverschämt fand ich den Eintrittspreis von neun Euro, nur um auf die Plattform zu kommen. Da ich aber den noch teureren Aufstieg auf den Eiffelturm ausgelassen hatte, bezahlte ich dann schweren Herzens das Geld. Ein traumhafter Ausblick auf die Stadt entschädigte für die Strapaz des 250-stufigen Aufstiegs:

Ausgehend vom Triumphbogen ist es nicht schwer zum etwa 3km entfernten Louvre zu finden. Immer nur gerade aus. Erst die Champs Elysée (wo es unter anderem einen fliegenden Twingo zu bestaunen gab), dann über den Place de Concorde, durch den Jardin des Tuileries und einen Mini-Triumphbogen (der wohl auch den drei Soldaten gefallen hat) bis hin zur berühmten Pyramide aus Glas.
Für mich war dieser Weg das Highlight von Paris. Die weltläufige Großzügigkeit, mit der dies alles angelegt wurde, habe ich bisher höchstens noch in Berlin gesehen. Andererseits wurde man bspw. durch die typischen Straßenlaternen oder durch den allgegenwärtigen Eiffelturm immer daran erinnert, daß man sich in der französischen Hauptstadt befindet. Ein ganz besonderes Flair eben. Leider hatte ich keine Zeit, die Kunstschätze im Louvre zu besichtigen - allerdings schaute ich mir die aus dem Da Vinci Code bekannte Pyramide doch etwas genauer an.
Etwa 15 Minuten vom Louvre entfernt befindet sich das moderne Gegenstück dazu. Das Centre Pompidou. Leider reichte es auch hier nicht für einen Museumsbesuch, so daß ich lediglich die sehr eigenwillige, aus meiner Sicht aber geniale Architektur, bewundern konnte. Am Abend brach ich per pedes zum Hügel Montmartre auf. Interessant war es, auf dem Weg das "andere Paris" zu sehen, also Viertel, die etwas abseits der Touristenrennbahnen plaziert sind. Viele Schwarze wohnen um den Gare de l'Est rum - ist mir aufgefallen - und vor allem die dort ansässigen Frauen pflegen ihre Samstagabende alle bei einem ausgiebigen Friseurbesuch zu verbringen. Der Montmartre selbst ist wieder etwas touristischer (zu erkennen an den Ramschläden mit T-Shirts etc.), ich vermute, wohl auch wegen seiner Nähe zur Pariser Reeperbahn um den Place Pigalle. Dort hielt ich mich nicht lange auf; ich mußte am nächsten Tag ja früh aus den Federn.

Das mit dem früh-aufstehen klappte, allerdings schien ich dennoch nicht ganz wach gewesen zu sein. Wie ist es sonst zu erklären, daß ich in die falsche U-Bahn eingestiegen bin und somit meinen Zug verpaßt habe? Leider waren am diesen Tag schon alle vernünftigen Züge ausgebucht (im TGV herrscht Reservierungspflicht), so daß ich mich dazu entschloß, einen weiteren Tag in Paris zu verbringen. Als ich dann erst kein Geld abheben konnte, weil mir in der Aufregung auch noch die Geheimzahl für die Carte Bleu entfallen ist, war meine Stimmung auf dem Tiefpunkt. Ich wollte mich eigentlich in ein Internet-Café begeben, um alles weitere (kostengünstige Übernachtung + Heimfahrt) zu planen, doch Fehlanzeige: Internet-Cafés sind in Paris Mangelware. Am Tourismusbüro beim Louvre wurde mir dann endlich geholfen. Konnte Zugticket und Übernachtung in einer Art Jugendherberge klar machen. Kartennummer fiel mir dann auch wieder ein. Zwischen meinem kleinen Hotel und der Herberge lagen zwar nur 10€ aber Welten an Komfort; doch ich wollte für mein morgendliches Versagen nicht mehr Geld ausgeben als nötig. Strafe muß sein.

Am Nachmittag führte ich mein Sight-Seeing fort und besuchte die Île de la Cité mit Notre Dame. Selbst in Heidelberg habe ich nicht so viele Japaner auf einem Haufen gesehen. Im Vergleich zum Innenraum dieser Kirche ist die Heilig Geist Kirche eine Oase der Ruhe. Überhaupt ist der Tourismus in Paris kaum zu übersehen. Südlich der Insel gab es eine Art "Freßviertel", wo eine Tourifalle neben der anderen aufgereiht war, und jede wollte billiger als die andere sein. Daß die Qualität daran zu leiden hatte, mußte ich feststellen, als ich mir dort etwas zu Essen bestellte. Da ich am nächsten Tag um fünf Uhr (!) aufstehen mußte, war dieser Abend nicht lang, und ich machte mich auf den Weg in das Etagenbett des Hostels.