Samstag war ein schöner Tag. Das Wetter zeigte sich von der besten Seite mit einem strahlendblauem Himmel und akzeptablen Temperaturen. Genau richtig also für einen Spaziergang durch den Parc de Blossac, einem sehr günstig gelegenen Park am Rande der Altstadt von Poitiers.

Hier gibt es auch eine Art kleinen Vogelzoo mit Papageienvögel, verschiedenen Entenarten und einem Storch. Interessant fand ich, daß trotz der Nähe zum Trubel der Stadt im Park nicht sehr viel Leute unterwegs waren.
Zuvor hatte ich mich mit Sally, meiner französischen Tandem-Partnerin, abwechselnd in der hiesigen Landessprache und auf Deutsch unterhalten. Tandem ist eine gute Gelegenheit, sich in der anderen Sprache zu üben, ohne daß einem etwas peinlich sein muß. Dennoch muß gestehen, daß sie mir - was das Verstehen der jeweils anderen Sprache angeht - meilenweit voraus war. In der Tat war es für sie wohl einfacher, mein Deutsch zu verstehen als mein Französisch.
Auf diese Art vorbereitet, wagte ich abends den Sprung ins kalte Wasser, und stürzte mich in ein - natürlich französischsprachiges - Theaterstück. Es handelte sich dabei um "La Nuit du 16 Janvier", das von der amerikanischen Philosophin Ayn Rand geschrieben und von den "Jacquinots", einer Freizeit-Theatergruppe, aufgeführt wurde.

Alles drehte sich um eine Gerichtsverhandlung, und letztendlich um die Frage von Schuld (coupable) oder Unschuld (innocent), die das Publikum am Ende des Stückes per Mehrheitsabstimmung beantworten mußte. Glücklicherweise habe zuvor ich im Internet recherchiert, damit ich eine kleine Ahnung hatte, um was es denn überhaupt ging ;-) Ab und zu habe ich sogar einen Satz verstanden - und ich hatte das Gefühl, daß mein Verständnis gegen Ende besser war als am Anfang. Im Gegensatz zu einem Film gibt es bei einem Theaterstück (zumindest bei diesem) keine störenden Geräuschkulissen und die Schauspieler reden akzentfrei und deutlich, so daß sich ein Theater zum Verstehen besser eignet, als ein Film - nur die Untertitel fehlen!