Jetzt ist Anfang Mai, und es ist mal Zeit für eine kleine Reflexion: Was ist in den letzten sechs Monaten alles passiert; was soll in den nächsten sechs Monaten noch alles geschehen?
Als ich hier angekommen bin im November, hatte ich ja so ziemlich keine Ahnung von der französischen Sprache und von der französischen Lebensart. Das war schon ein kleiner Schock für mich; natürlich in erster Linie die Verständigung - in Deutschland sind Englischkenntnisse unter den jüngeren Leuten (bis etwa 50) viel geläufiger. Auf Behörden oder generell im öffentlichen Leben (Banken, Geschäfte, Friseur,...) sprechen die allermeisten Franzosen ausschließlich Französisch mit einem, und geben sich teilweise nicht mal große Mühe, langsam und deutlich zu sprechen. Mit einem Ausländer in einfachen Infinitiv-Konstruktionen ("Du gehen zu Bank und heben Geld ab") zu sprechen, ist wohl ausschließlich eine Deutsche Eigenart.
Das zweite Problem war, daß ich anfangs hier außer meinem Chef noch niemanden kannte. Klar, kann man mal ein, zwei Wochenenden einfach mal in der Landschaft rumgurken, und die Gegend erkunden; aber irgendwann möchte man doch auch wieder mal mit Leuten zu tun haben. Da ist Initiative gefordert, die ich auch ergriffen habe, indem ich mir Tandem-Partner gesucht habe, Kontakt zu den Studenten aufgenommen habe, ins Nachtleben eingetaucht bin usw. Immer mehr erweiteret sich mein soziales Netzwerk, und ab Januar brauchte ich mir um einsame Wochenenden nur noch selten Sorgen zu machen. Dazu kommt, daß ich einige wunderbare Menschen kennen gelernt habe :-)
Das Leben hier ist aber nach wie vor anspruchsvoll: Meine Arbeit in der Forschung ist mitunter sehr fordernd, da ich auch in die Tiefen einer Programmiersprache eintauchen muß. Dazu kommt, daß meine Sprachkenntnisse noch lange nicht perfekt sind; einfache Unterhaltungen kann ich mittlerweile recht gut führen, und wenn sich meine Gesprächspartner Mühe geben, kann ich mich auch an gesellschaftlichen oder fachlichen Diskussionen beteiligen. Es gab/gibt immer wieder stressige Zeiten; aber, ich denke, man muß die Herausforderungen als Chancen sehen. Man wächst an seinen Aufgaben. Und es gibt ja so viel zu entdecken!
Und jetzt ja das Sommerhalbjahr begonnen. Die entschieden schönere Jahreszeit in Poitiers! Die alte Stadt hat bei Sonnenschein und 25 Grad dann fast schon ein mediterranes Ambiente. Man kann sich auch mal raus auf die sonnige Wiese vor meiner Résidence legen, oder an das schattige Clain-Ufer setzen. Es ist wunderbar!
So langsam geht es auch daran, meinen Sommerurlaub zu planen... Das Institut schließt Ende Juli / Anfang August, und ich habe drei Wochen Zeit, Träume zu verwirklichen ;-)
Wirtschaftskrise
vor 17 Jahren
