Samstag, 19. Januar 2008

Futuroscope

Endlich habe ich wieder mal Muße um einen neuen Blog-Eintrag zu schreiben. Vorletztes Wochenende gab es eine Aktion, die jedem, der seinen Arbeitsplatz auf der Site Futuroscope hat (also auch mir), ermöglichte, umsonst den gleichnamigen Themenpark zu besuchen. Das ließ ich mir natürlich nicht zweimal sagen: Die über 30 Euro, die normalerweise an Eintritt verlangt werden, finde ich zwar für das Gebotene ziemlich happig, aber ein gutes altes Deutsches Sprichwort sagt: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.
Das Futuroscope ist nach dem Euro-Disneyland (14.5 Mio) und dem Parc Astérix (1.7 Mio) mit 1.4 Millionen Besucher der drittgrößte Freizeitpark Frankreichs. (Zum Vergleich: Der Europapark in Rust lockt 4 Mio. Besucher an, der Holiday-Park in Haßloch 1.1 Mio.). Zentrales Thema ist die Zukunft. Das zeigt sich am eindrucksvollsten in der futuristischen Architektur. Anders als bspw. der Europapark liegt der Schwerpunkt der Attraktionen nicht in den Fahrgeschäften, sondern in der Vorführung von Kurzfilmen auf riesigen Leinwänden (ähnlich den IMAX-Kinos in Speyer oder Sinsheim). Einige dieser Filme bieten ein Pseudo-3D-Erlebnis (indem man sie mit einer Polarisationsbrille anschaut), oder man sitzt nicht in einem normalen Sessel sondern in einem sog. Simulator, der einen - passend zum Film - durchschüttelt. Von letzterem ist mir übrigens hundsübel geworden. Da es sich also hauptsächlich um Indoor-Attraktionen handelt, ist das Futuroscope bis auf eine einmonatige Pause, in der die neuen Events aufgebaut werden, ganzjährig geöffnet.

Am besten hat mir übrigens die Schlußvorstellung gefallen, bei der es sich um animierte Wasserspiele handelte. Filme wurden auf Wasserwände projeziert, dazu gab es eine nicht zu verachtende Lasershow.

Insgesamt war es doch mal ganz nett, zu sehen, wofür Poitiers in Frankreich auch bekannt ist. Immerhin hat das Futuroscope einen eigenen TGV-Bahnhof und ich vermute, der Flughafen hier (mit den einzigen Direktflugmöglichkeiten nach Lyon und London) wurde eigens dafür errichtet. Um das Futuroscope rum ließen sich einige Firmen nieder, und auch ein Teil der Universität befindet sich dort: Mathematisch-naturwissenschaftliche Institute, eine Pilotenschule und die ENSMA (École nationale supérieure de mécanique et d'aérotechnique).

Freitag, 4. Januar 2008

Bonne Année 2008!

Wünsche über das Blog allen, denen ich es bisher noch nicht getan habe, ein glückliches und erfolgreiches Jahr 2008. Den Jahreswechsel habe ich in der schönen Heidelberger Altstadt verbracht; seit Dienstag abend bin ich wieder in der Grande Nation. Viel hat sich seither nicht ereignet: Ich teste fleißig meine Algorithmen und am Abend gibt es Baguette und Käse.
Tja... und mein Vorsatz für das neue Jahr ist: nicht alles auf den letzten Drücker zu machen; besonders bei wichtigen Terminen (bspw. Abfahrt eines Zuges ;-)) eine Reserve einbauen... und natürlich fleißig bloggen!

Paris

Da mein Nachhauseweg (ich war mit dem TGV unterwegs) über Paris führte, wollte ich mir eine Besichtigung dieser Stadt nicht entgehen lassen. Ursprünglich war dafür nur Samstag nachmittag/abend eingeplant, doch mehr dazu später...
Den Bahnhof Montparnasse kannte ich ja schon, so daß ich mich gleich zum Hotel aufgemacht habe. Habe dieses mit dem schnuckeligen Namen "Au Palais de Chaillot" über booking.com gebucht, und war damit sehr zufrieden. Ein bequemes Bett, ein sauberes Bad, eine Frühstücksgelegenheit --- das ist eigentlich alles, was ich brauche. Als erstes stand der Eiffelturm auf dem Programm, der unweit des Hotels gelegen war. Um ihn in seiner vollen Pracht zu sehen mußte ich (so wie viele andere Touristen) eine Phalanx von Schwarzafrikanern durchdringen, die versucht haben, einem Miniatur-Eiffeltürme mit LED-Beleuchtung anzudrehen. So, wie es meine Art ist, war ich erst mal freundlich, und habe höflich zu erkennen gegeben, daß ich nichts dergleichen wollte. Die Jungs ließen aber mindestens fünf Minuten lang nicht locker, was den Blick auf das Wahrzeichen zunächst etwas getrübt hat.

Danach tigerte ich zum Arc de Triomphe, ebenfalls ein gewaltiges Bauwerk. Unverschämt fand ich den Eintrittspreis von neun Euro, nur um auf die Plattform zu kommen. Da ich aber den noch teureren Aufstieg auf den Eiffelturm ausgelassen hatte, bezahlte ich dann schweren Herzens das Geld. Ein traumhafter Ausblick auf die Stadt entschädigte für die Strapaz des 250-stufigen Aufstiegs:

Ausgehend vom Triumphbogen ist es nicht schwer zum etwa 3km entfernten Louvre zu finden. Immer nur gerade aus. Erst die Champs Elysée (wo es unter anderem einen fliegenden Twingo zu bestaunen gab), dann über den Place de Concorde, durch den Jardin des Tuileries und einen Mini-Triumphbogen (der wohl auch den drei Soldaten gefallen hat) bis hin zur berühmten Pyramide aus Glas.
Für mich war dieser Weg das Highlight von Paris. Die weltläufige Großzügigkeit, mit der dies alles angelegt wurde, habe ich bisher höchstens noch in Berlin gesehen. Andererseits wurde man bspw. durch die typischen Straßenlaternen oder durch den allgegenwärtigen Eiffelturm immer daran erinnert, daß man sich in der französischen Hauptstadt befindet. Ein ganz besonderes Flair eben. Leider hatte ich keine Zeit, die Kunstschätze im Louvre zu besichtigen - allerdings schaute ich mir die aus dem Da Vinci Code bekannte Pyramide doch etwas genauer an.
Etwa 15 Minuten vom Louvre entfernt befindet sich das moderne Gegenstück dazu. Das Centre Pompidou. Leider reichte es auch hier nicht für einen Museumsbesuch, so daß ich lediglich die sehr eigenwillige, aus meiner Sicht aber geniale Architektur, bewundern konnte. Am Abend brach ich per pedes zum Hügel Montmartre auf. Interessant war es, auf dem Weg das "andere Paris" zu sehen, also Viertel, die etwas abseits der Touristenrennbahnen plaziert sind. Viele Schwarze wohnen um den Gare de l'Est rum - ist mir aufgefallen - und vor allem die dort ansässigen Frauen pflegen ihre Samstagabende alle bei einem ausgiebigen Friseurbesuch zu verbringen. Der Montmartre selbst ist wieder etwas touristischer (zu erkennen an den Ramschläden mit T-Shirts etc.), ich vermute, wohl auch wegen seiner Nähe zur Pariser Reeperbahn um den Place Pigalle. Dort hielt ich mich nicht lange auf; ich mußte am nächsten Tag ja früh aus den Federn.

Das mit dem früh-aufstehen klappte, allerdings schien ich dennoch nicht ganz wach gewesen zu sein. Wie ist es sonst zu erklären, daß ich in die falsche U-Bahn eingestiegen bin und somit meinen Zug verpaßt habe? Leider waren am diesen Tag schon alle vernünftigen Züge ausgebucht (im TGV herrscht Reservierungspflicht), so daß ich mich dazu entschloß, einen weiteren Tag in Paris zu verbringen. Als ich dann erst kein Geld abheben konnte, weil mir in der Aufregung auch noch die Geheimzahl für die Carte Bleu entfallen ist, war meine Stimmung auf dem Tiefpunkt. Ich wollte mich eigentlich in ein Internet-Café begeben, um alles weitere (kostengünstige Übernachtung + Heimfahrt) zu planen, doch Fehlanzeige: Internet-Cafés sind in Paris Mangelware. Am Tourismusbüro beim Louvre wurde mir dann endlich geholfen. Konnte Zugticket und Übernachtung in einer Art Jugendherberge klar machen. Kartennummer fiel mir dann auch wieder ein. Zwischen meinem kleinen Hotel und der Herberge lagen zwar nur 10€ aber Welten an Komfort; doch ich wollte für mein morgendliches Versagen nicht mehr Geld ausgeben als nötig. Strafe muß sein.

Am Nachmittag führte ich mein Sight-Seeing fort und besuchte die Île de la Cité mit Notre Dame. Selbst in Heidelberg habe ich nicht so viele Japaner auf einem Haufen gesehen. Im Vergleich zum Innenraum dieser Kirche ist die Heilig Geist Kirche eine Oase der Ruhe. Überhaupt ist der Tourismus in Paris kaum zu übersehen. Südlich der Insel gab es eine Art "Freßviertel", wo eine Tourifalle neben der anderen aufgereiht war, und jede wollte billiger als die andere sein. Daß die Qualität daran zu leiden hatte, mußte ich feststellen, als ich mir dort etwas zu Essen bestellte. Da ich am nächsten Tag um fünf Uhr (!) aufstehen mußte, war dieser Abend nicht lang, und ich machte mich auf den Weg in das Etagenbett des Hostels.