Freitag, 30. November 2007

Fuite de Gaz

Heute morgen bin ich mal frueh zur Arbeit (um neun ;-)). Seltsam,
dass sonst keiner da ist, dachte ich; habe aber dennoch angefangen
Bugs zu jagen.
Nach einer Stunde besuchte mich einer von den
Pompiers (franz.: Feuerwehr), und hat mich darauf hingewiesen,
NICHT das Gebaeude zu verlassen.
Vor einer halben Stunde kam
dann folgende E-Mail:


il y a un fuite de gaz au SP2MI et les bâtiments
son évacués pour une
bonne partie de la journée.
ce n'est pas une blague.
Pas possible de joindre les personnes
bonne journée

"Blague" heisst uebrigens soviel, wie "Scherz". Gerade eben war ein
Arbeitskollege hier, mit dem
ich gleich durch den Hintereingang das
Labor verlassen werde... Freue mich schon
auf diesen Tag
"Sonderurlaub", weil ein franzoesischer Dinosaurier gepupst hat...

Dienstag, 27. November 2007

Park & Theater

Samstag war ein schöner Tag. Das Wetter zeigte sich von der besten Seite mit einem strahlendblauem Himmel und akzeptablen Temperaturen. Genau richtig also für einen Spaziergang durch den Parc de Blossac, einem sehr günstig gelegenen Park am Rande der Altstadt von Poitiers.

Hier gibt es auch eine Art kleinen Vogelzoo mit Papageienvögel, verschiedenen Entenarten und einem Storch. Interessant fand ich, daß trotz der Nähe zum Trubel der Stadt im Park nicht sehr viel Leute unterwegs waren.

Zuvor hatte ich mich mit Sally, meiner französischen Tandem-Partnerin, abwechselnd in der hiesigen Landessprache und auf Deutsch unterhalten. Tandem ist eine gute Gelegenheit, sich in der anderen Sprache zu üben, ohne daß einem etwas peinlich sein muß. Dennoch muß gestehen, daß sie mir - was das Verstehen der jeweils anderen Sprache angeht - meilenweit voraus war. In der Tat war es für sie wohl einfacher, mein Deutsch zu verstehen als mein Französisch.

Auf diese Art vorbereitet, wagte ich abends den Sprung ins kalte Wasser, und stürzte mich in ein - natürlich französischsprachiges - Theaterstück. Es handelte sich dabei um "La Nuit du 16 Janvier", das von der amerikanischen Philosophin Ayn Rand geschrieben und von den "Jacquinots", einer Freizeit-Theatergruppe, aufgeführt wurde.

Alles drehte sich um eine Gerichtsverhandlung, und letztendlich um die Frage von Schuld (coupable) oder Unschuld (innocent), die das Publikum am Ende des Stückes per Mehrheitsabstimmung beantworten mußte. Glücklicherweise habe zuvor ich im Internet recherchiert, damit ich eine kleine Ahnung hatte, um was es denn überhaupt ging ;-) Ab und zu habe ich sogar einen Satz verstanden - und ich hatte das Gefühl, daß mein Verständnis gegen Ende besser war als am Anfang. Im Gegensatz zu einem Film gibt es bei einem Theaterstück (zumindest bei diesem) keine störenden Geräuschkulissen und die Schauspieler reden akzentfrei und deutlich, so daß sich ein Theater zum Verstehen besser eignet, als ein Film - nur die Untertitel fehlen!

Mittwoch, 21. November 2007

Faire la grève

Wer meint, in Deutschland werde schon viel gestreikt, der soll mal nach Frankreich schauen! Schon sieben Tage sind die Jungs von der Bahn auf Streik. Und es läuft so gut wie nichts mehr: Nicht nur, daß nur noch ein fünftel bis ein drittel aller Züge bzw. U-Bahnen fahren, sondern durch den Streik fallen auch diverse Veranstaltungen aus: Wie zum Beispiel das Treffen der Association Francophone de Vélocimétrie Laser, wo ich morgen einen Vortrag hätte halten sollen, oder der Kinoabend des Club d'Allemands, der heute abend hätte stattfinden sollen. Das Meeting des AFVL wurde auf Januar verschoben - nicht ausreichend, um bis dahin frankophon auftreten zu können; aber Englisch soll auch erlaubt sein.

Jedenfalls ist "Streiken" hier ein Volkssport, und man selbst darf auch mitmachen. So lag letzten Freitag dieses Flugblatt in meinem Postfach am Arbeitsplatz:
Es scheint wohl so zu sein, daß wissenschaftliche Angestellte auch mitmachen dürfen... wann hat man schon mal das Vergnügen in Deutschland? Praktisch allerdings hat bei uns so gut wie keiner gestreikt - es war Bussiness as usual. Und wo kämen wir hin, wenn ich als eben erst gelandeter Deutscher meinem Chef, einem gestandenen Franzosen, demonstrieren würde, wie man streikt?

Samstag, 17. November 2007

Leben in der Bier-Diaspora...

...und der Hochburg des Weins. Heute habe ich aber dann doch tatsächlich eine Flasche importiertes Warsteiner ergattert - für 1.54 Euro! Bitburgerdosen hatten sie auch noch... das deutsche Bier steht im Regal gleich neben Corona und Foster's Lager - welch eine Schande! Gerne getrunken wird hier wohl das belgische Leffe, das Allerweltsgebräu Heineken und natürlich die einheimischen Biersorten Kronenbourg und 1609. Von Flaschengrößen ist alles vorhanden: von den 0.25er-Fingerhüten bis hin zu den 0.75er-Pullen. Allerdings spielt sich biertechnisch selbst in den Hypermärkten alles in einem Regal ab, während die Verkaufsfläche von Wein etwa das fünf- bis zehnfache betragen dürfte. Aber es gibt einen Lichtblick: Habe gehört, daß es im Auchan-Markt Becks gibt! Nichts wie hin!!!

Ansonsten fällt mir auf, daß die Dinge hier unterm Strich (also jedenfalls in den Läden, wo ich bis jetzt einkaufen war, und wenn ich vergleichbares einkaufe, was ich auch in Dtl. eingekauft habe) um geschätzte 20% teurer sind, als in deutschen Landen. Recht billig ist Brot (wobei es kein richtig dunkles Brot gibt), Teigwaren allgemein (vor allem meine geliebten Barilla-Nudeln) und natürlich Wein, den es auch in 5-Liter-Fässer gibt. Früchte, Gemüse und Käse sind eigentlich vergleichbar teuer. Entschieden teurer sind Wurst- und Fleischwaren, Joghurts (sehr zu meinem Leidwesen), Süßigkeiten und natürlich Bier (s.o.). Eigenartig ist auch, daß in den Regalen nicht so wie in Deutschland die billigsten Sachen unten sind, sondern das Sortiment recht gleichmäßig verteilt zu sein scheint. Bei den Joghurts fällt die Wahl besonders schwer, da es a) ganz andere Sorten gibt und b) die Joghurts kaum einzeln gibt, sondern immer in unterschiedlich großen Mehrfachverbünden mit unterschiedlich großen Einzelbechern.

Selbst das Kaufland, dem absoluten Größten, was Heidelberg zu bieten hat, ist ein Zwerg gegen den Hypermärkten in Poitiers (Leclerc oder Géant). Ich fragte mich schon, wer das Zeug alles kaufen soll... Doch es gibt kaum kleinere Supermärkte in den Stadtvierteln verteilt und ein klassisches "Kaufhaus" (wie Karstadt) ist mir in der Innenstadt auch nicht begegnet.

Leffe schmeckt mir übrigens nicht, stelle ich gerade fest...

Sonntag, 11. November 2007

La Vallée du Clain

Heute habe ich wieder meine 75 Pferdestärken gesattelt und habe einen kleine Ausritt in die nähere Umgebung unternommen.
Diesmal war der Süden dran. Es ging durch das Vallée du Clain (mit einem Abstecher zur Abbaye de Fontaine-le-Comte, wo ich das linke Bild aufgenommen habe) vorbei an vielen schönen alten Kirchen (doch der Speicherplatz hier im Blog ist begrenzt!) hin zum Château-Larcher (siehe rechtes Bild). Aufgefallen ist mir: Die Schlösser/Burgen sind für die Franzosen wohl so gewöhnlich, daß sie oft auch bewohnt werden. D.h. es kann schon mal passieren, daß man beim Besichtigen eines alten Gemäuers mal auf einem Privatgrundstück landet, wo man von einer räudigen Bestie namens Hund empfangen wird. In Frankreich gibt es nämlich viele Hunde. Vor allem viele jaulende Köter, die Geräusche ähnlich einer Sirene machen.
Dafür sind aber endlich die Vögel weg, die sich eine zeitlang auf den Bäumen beim Parkplatz vor dem Wohnheim versammelt hatten. Überhaupt kehrt hier so langsam die karge, kalte Jahreszeit ein. Die Bäume verlieren ihr Laub und die Tage werden kürzer. So kurz, daß ich bei der Heimfahrt vom Château mangels Tageslicht die ganzen Sehenswürdigkeiten (u. a. das Schlachtfeld von Poitiers 1356) links liegen lassen mußte. Doch ich komme wieder!

Samstag, 10. November 2007

Das Wetter hier...


Ich habe versucht dem Phänomen nachzugehen, warum es hier momentan immer ein paar Grad wärmer zu sein scheint, als beispielsweise in Mannheim. Ein Blick auf die Klimatabellen (siehe unten; klicken um eine größere Version zu erhalten) zeigt, daß milde Herbste/Winter hier nichts ungewöhnliches sind. Dafür sind die Sommer recht moderat.

Ein Arbeitskollege meinte jedoch, daß die derzeitige Trockenperiode (es hat nicht einmal geregnet, seitdem ich hier bin) nicht gerade typisch ist für Poitiers. Der Atlantik ist ja nur etwas mehr als 100 km entfernt...

Mittwoch, 7. November 2007

Resumé du Travail

Erste Zwischenbilanz nach drei Tagen Arbeiten in Frankreich:
  • Franzosen sind wie Deutsche, manche sind zuvorkommend, andere eher zurückhaltend. Arroganz konnte ich bis jetzt noch keine feststellen.
  • Zur Begrüßung geben sich die Männer die Hand, den Frauen gibt man Küßchen (bisous). Mittlerweile strecke ich von mir aus die Hand entgegen - nur das mit den bisous traue ich mich noch nicht.
  • Die Wissenschaftler können recht gut Englisch, aber sonst sieht's eher mau aus. Daß ein Mechaniker nicht unbedingt polyglott sein soll, ist verständlich, aber auch Fremsprachensekräterinnen scheinen hier sehr rar gesät zu sein.
  • Die Kantine ist im Vergleich zur Mensa der Uni Heidelberg Spitze! Obwohl nicht sehr groß, gibt's da eine Riesenauswahl... Viele Sachen schmecken aber irgendwie ungewohnt (vor allem die Salate).

Sonntag, 4. November 2007

Alt und Neu

Bei einem kleinen Entdeckungstrip in die Umgebung von Poitiers ist mir aufgefallen, daß die Gegend von Gegensätzen geprägt wird:Zum einen gibt es hier uralte Gemäuer (die Abbaye le Pin)...
Zum anderen ultramoderne Architektur (das SP2MI: Sciences Physiques, Mathématiques, Mécanique et Informatique - unweit meines zukünftigen Arbeitsplatzes)...


Ich habe das Gefühl, daß sich die Franzosen nicht besonders scheren, ob etwas gut in das Landschaftsbild rein paßt oder nicht - es gibt ja immer noch genügend Ecken, die unverbraucht sind; man muß da gar nicht weit fahren. Abgesehen von der Agglomeration ist die Siedlungsdichte doch eher gering, wobei die Häuser eher gleichmäßig in der Gegend verteilt sind, denn in größeren Dörfern geballt. Sonntags läßt sich hier recht ungestört durch die Landschaft cruisen - ohne daß hinter einem zehn ungeduldige Franzosen drängeln; überhaupt scheint mir Sonntags noch mehr tote Hose zu sein, als das in Deutschland der Fall ist.

Morgen hat für mich das Laissez Faire jedenfalls ein Ende: Dann heißt es nämlich "Au Boulot!"

Freitag, 2. November 2007

Faire des courses...

Eigentlich wollte ich mich heute nach einem Tandempartner umsehen, aber die Uni scheint heute wohl dicht gewesen zu sein (congé Toussaints), deswegen habe ich die Zeit genutzt, und habe mir mal ein paar Supermärkte angeguckt:
  • Als ich ein Corona-Sixpack mit dem Preisschild EUR 1.59 gesehen habe, dachte ich frohlockend: "Bier ist hier doch gar nicht so teuer hier!". Bei späterem Betrachten des Einkaufszettels ist mir dann aufgefallen, daß das der Preis PRO Flasche Bier war. Unverschämtheit!!!
  • Habe einen - recht großen - Laden entdeckt, der einem alten Kram abkauft, und diesen wieder verkauft.
  • Noch viel größer war der Hypermarché E.Leclerc. Dort gibt es auch seltsame Handscanner, mit denen man wohl die Sachen abscannen konnte, um den Preis zu erfahren (bzw. sie gar zu bezahlen?). Einkaufen ging aber glücklicherweise auch ohne!

Donnerstag, 1. November 2007

Ich frage mich gerade...

...was ein "espace de mots" wohl sein mag??? Es gibt hier im Wohnheim nämlich einen - verschlossenen - Raum mit einem solchigen Ausdruck. Wörtlich übersetzt heißt das (soweit reichen sogar meine Französischkenntnisse) "Platz der Wörter", aber dies ist ja ein Studentenwohnheim und kein Wörterwohnheim...

Hat von Euch jemand eine Idee?

Angekommen

Salut tout le monde!

Vorgestern bin ich - nach etwa 10-stündiger Fahrt und einigen Adrenalinausstößen ob des Französischen Fahrstils - wohlbehalten hier im Wohnheim Residence International Michel Foucault in Poitiers angekommen. 2003 wurden alte Gemäuer einer Klinik renoviert und in ein Studentenwohnheim umfunktioniert. Mein Zimmer hat etwa 18 Quadratmeter und bietet alles, was man zu einem selbständigen Leben braucht: Bad, Küchenecke, Internet...

Natürlich gibt es hier auch Gemeinschaftsräume (Küche, Fernsehraum etc.), doch diese muß ich erst noch entdecken! Das schönste an dem Zimmer ist der geniale Ausblick über den Fluß Clain auf die Altstadt, die sich auf einem etwa 50m hohen Hügel befindet. Zwar Nordseite, aber dennoch ist das Zimmer dank der großen Fenster (die ganzen Außenwände sind verglast) selbst im November sehr hell. Es ist recht ruhig hier - von der anderen Flußseite dringt etwas Verkehrslärm rüber, doch kein Vergleich zur Hildastraße in Eppelheim.
Außer: Abends ab etwa 18:00 geht der Vogellärm los! Tausende von Vögeln geben sich hier ein Stelldichein und zwitschern bzw. kreischen um die Wette. Dummerweise bleibt auch mein Auto davon nicht verschont, so daß jeden Morgen erst mal Vogelkot entfernen angesagt ist (Vogelkacke hat eine aggressive Wirkung auf Autolack). Vielleicht soll ich mir in Zukunft die Methode von Prinz Harry aneignen...

So viel für jetzt und heute!
A+ Markus